worte statt farben

Liebe Seitenbesucher, es freut mich, wenn Euch der Titel angelockt hat. Manchmal drängt es mich einfach, Ideen, Gefühle oder Erkenntnisse nicht auf der Leinwand festzuhalten, sondern in Worten. Mal als Satz, mal gereimt und manchmal auch als kurzen Text. Und mal aus Spaß an der Freud’ und ein anderes Mal auch etwas tiefsinniger. Glaube ich! Der Satz, den ich der ganzen Site vorangestellt habe, ist dabei symptomatisch. Er beschäftigt sich unsinnigst mit dem Unsinn. Und das hat seinen Grund! Erst das bewusste Verlassen des im Laufe meines Lebens anerzogenen und selbstauferlegten “Nützlichkeitsdrangs”, hat mich ein Stück weit meine Kreativität wiederfinden lassen, deren weitgehendes Abhandenkommen mir in meiner Jugend irgendwann im Laufe meiner Schul- und Unizeit schmerzlich bewusst wurde. Und ich habe das Gefühl, dass erst der Verzicht darauf, dass alles was man tut und denkt, effektiv sein muss und einen Zweck erfüllen muss, einem die Augen für Dinge öffnet, die … hmm, … um es mit Saint Exupery zu sagen, … die man nicht mit den Augen sehen kann, sondern nur mit dem Herzen. Ich glaube mittlerweile, der Unsinn ist die heimliche Quelle von sehr viel Sinn! Und weil es gerade so gut passt, fange ich mit  einem der jüngsten Verslein an. Smilie: ;)

 

 

kein gedicht

mein gedicht,
ja, es klingt dumm,
ist kein gedicht,
denn es bleibt stumm.

sagt nur, dass es nichts sagen will
und bleibt ansonsten einfach still.
so sehr es manchen vielleicht plagt,
dass das gedicht ihm gar nichts sagt.

auch im nichts sagen liegt ein sinn,
den man vielleicht erkennen mag.
erkennt man ihn nicht heut’ darin,
vielleicht an einem and’ren tag.

 

 

Renaissance

Manchem fällt das Denken schwer,
muss er doch sein Hirn verrenken.
Fremdes mag er gar nicht sehr,
denn das fordert von ihm Denken.

Fremde Menschen, fremde Bilder,
nein, da will er nicht noch mehr.
Darum schreibt er eilig Schilder:
Nichts darf weiter als hier her!

Nichts darf in mein’n Bürgermief,
wo kommod ich’s mir gemacht.
Sonst gerät noch alles schief.
Seid gewiss, da hab ich Acht!

Und tut das nicht die Obrigkeit,
die wir doch gar nicht selbst erkoren,
sind wir dazu selbst bereit.
Das haben wir schon lang geschworen.

Dann säubern wir halt selbst das Land.
Fremdes, Krankes kehr’n wir aus.
Genesen soll’s von Volkes Hand.
WIR machen tausend Jahr daraus.

 

 

Lobpreisung

Lasst uns unsere Führer preisen,
die für uns das Denken lenken.
Auf die alten woll’n wir scheißen,
fröhlich uns den neuen schenken.

Herzlichst auch den neuen danken,
die uns das neue Glück beschert.
Das Leben war einst voller Schranken.
Zu neuen sind wir jetzt bekehrt.

Ein paar Tausend mussten bluten,
ein paar Tausend sind krepiert?
Lasst uns doch wie stets vermuten,
es sei zum letzten mal passiert.

Ein paar Tausend sind im Knast
weil sie nicht so dankbar sind?
Oh, da hab ich was verpasst.
Die kommen wieder raus. Bestimmt!

 

 

An den traurigen Clown

Ein Narr, wer will die Welt erheitern,
wenn Dumpfheit herrscht in seinem Lied.
Schön ist diese Welt trotz scheitern,
was er nur leider selbst nicht sieht.

Heldenhaft will er sich scheinen,
wenn er mit Scherz sein Leid bekriegt.
Sich öffnend hätt’ er, sollt man meinen,
das Mitleid mit sich selbst besiegt.

 

 

Kunst kommt zwar von können, aber deshalb ist Scheiße noch lange keine Kunst.

 

 

Blauer Himmel

Nach zu vielen kalten dunklen Winter- und Frühjahrstagen ein kurzes zufälliges Aufblicken vom Schreibtisch, mit dem Kopf ganz woanders, ein mich selbst überraschender Blick aus dem Fenster und für einen Sekundenbruchteil war es plötzlich da, das Gefühl aus der Kindheit. Von einem ewigen, unerschütterlichen blauen Himmel, der gütig auf alles herabsieht, mächtig, kühl und trotzdem liebevoll strahlend, über den mächtige Wolken schieben, die vorbeisegeln von der einen Unendlichkeit zu einer anderen Unendlichkeit, die mit dem Sonnenlicht spielen und tausend Fantasiegebilde formen. Ein kleines Stückchen Glück.

 

 

Leichenschmaus

… ich stemmte den Sargdeckel auf und stand auf. Meine Nasenspitze reichte gerade bis über den widerlich grünen Plastikrasen und die nassen Erdklumpen drumherum. Direkt vor mir, als hätte man ihn mir in die Stirn gerammt, stand der Ständer zum Sand werfen, damit ich auch ja nicht wiederkomme.
Alle waren weg. Ich atmete tief die nach feuchter Erde und Efeu riechende Luft ein. Ein Regenwurm verlor den Halt am Rand des Plastikrasens und fiel mir auf den nackten Fuß. Der Regen, der die ganze Zeit auf den Deckel getrommelt hatte und es mir schwer gemacht hatte, die letzten Worte über mich zu verstehen, hatte auch die Totengräber in die Flucht geschlagen, bevor sie ihr Werk vollendet hatten. Aber was hatte ich da gerade über mich ergehen lassen müssen, war da wirklich ich mit gemeint, oder war ich auf der falschen Beerdigung? “Gracias a la Vida” von Joan Baez und Mercedes Sosa hatte ich mir für meinen letzten Weg gewünscht und keine Trauersonate. Von meinen guten Taten hatte ich selbst noch nie gehört, über das, was mir wichtig und richtig erschienen war im Leben zu tun, nicht ein Wort. Scheiße! Genauso hatte ich es mir immer vorgestellt – und gehofft es könnte anders sein. Ich konnte mir gut vorstellen, wie sie jetzt alle warm und trocken beisammen hockten und sich das Maul über mich zerrissen, den alten Jammerlappen, der nichts auf die Reihe gekriegt hat. Bestenfalls! Wahrscheinlich jammerten sie sich etwas über ihre eigenen Wehwehchen vor. Ihre Labialfalten und Potenzprobleme. Das wollte ich mir jetzt gerne anhören. Ich mußte nur irgendwie aus diesem Schlammloch raus und ohne öffentliches Ärgernis zu erregen in diesem affigen, am Körper klebenden Leichenhemdchen nach Hause gelangen …

 

 

Schach

Der König schrie Rochade,
der Turm der blickte stumm.
Das Pferd kannt’ keine Gnade
und ritt den Läufer um.
Deshalb gab klug die Königin
sich gleich dem and’ren König hin.
Worauf der letzte Bauer schrie:
Dafür soll ich sterben? Nie!!!

 

 

Die Qual der Wahl

Erst möchtest Du groß sein
und auch alles können,
was die Großen so machen,
nur Dir gar nicht gönnen.
Doch wenn Dir dann später
die Jahre entrinnen,
dann würdest Du gerne
von vorne beginnen.

Doch wie man’s auch dreht
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Dann gehst Du zur Uni,
hast eine stets leere Tasche.
Immer nur lernen
und nie richtig Asche!
Du wünschst Dir Arbeit
und genug Geld,
dann flögst Du im Urlaub
rund um die Welt.

Doch wie man’s auch dreht
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Du möchtest die Welt
so gerne verändern,
nicht nur um Dich rum,
sondern in allen Ländern.
Also malst Du Plakate
und gehst demonstrieren.
Doch keiner hört zu,
keiner will es kapieren.
Du wirst kompromisslos,
scheißt auf das System,
jetzt lassen Dich alle
im Regen stehen.

Und wie Du’s auch drehst
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Eine Frau macht Dich wild,
Du liegst ihr zu Füßen.
Sie aber will
auch and’re genießen.
Dann suchst Du Dir eine
die treu ist und brav,
mit Hochzeit und Kindern,
die singst Du in den Schlaf.
Doch eines Tages
da fällt es Dich an:
Was hab’ ich mir damit
nur angetan.

Und wie Du’s auch drehst
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Dann gehst Du alltäglich
um acht ins Büro.
Dort bist Du der Arsch.
Täglich fragst Du: Wieso!
So nimmst Du Kredit auf
für den eigenen Laden,
Du schuftest bis nachts,
trotzdem gehst Du baden.

Tja, wie Du’s auch drehst
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.
Und dann eines Tages
die ersten Gebrechen.
Vielleicht gleich die Pumpe,
vielleicht im Rücken ein Stechen.
Da merkst Du ganz langsam:
Nichts ist selbstverständlich.
Willst Du leben, dann tu’s jetzt,
das Leben ist endlich!

Du siehst wie man’s dreht
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Und bleibt Dir dann schließlich
am Ende der Tage
noch Zeit für den Rückblick,
dann ist da die Frage:
Hast Du was Du konntest
stets richtig gemacht?
Was Du einmal wolltest,
hast Du es vollbracht?

Mein Freund wie Du’s drehst
und wie man es wendet:
Ein Teil vom Leben
ist immer verschwendet.

Und wenn Dich danach
der Efeu bedeckt,
dann bleibst Du im Sarg
nicht lange versteckt.
Den Würmern bist Du dann
ein köstlicher Schmaus.
Die Knochen jedoch,
die lassen sie aus.

Auch dieses macht klar:
Wenn das Leben beendet,
ist ein Teil davon
noch immer verschwendet.

Eine Antwort auf worte statt farben

  1. hallo ….hmmmh, jetzt habe ich den richtigen namen schon wieder vergessen ( nist), in diesem fall …hallo ben zedrin Smilie: ;)
    wirklich eine ganz tolle seite, wundervolle bilder und deine worte statt farben mag ich ebenfalls sehr , auch mir geht es mitunter so….! lg sonja

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